Ligatag in Borken

Werbung für den Schießsport

Die Stimmung wirkte ansteckend beim Ligatag in der Großsporthalle in Borken. Lautstark feuerten die mehr als 200 Besucher die Athleten beim Oberligawettkampf der Luftgewehr-Nordstaffel zwischen Gastgeber Römersberg und dem Team aus der VW-Stadt Baunatal an. Mit Tröten, Ratschen und Fanfaren begleiteten die Zuschauer das Wettkampfgeschehen. „Ist heute hier Almabtrieb?“, fragte Hallensprecher Frank Käufler beim Klang der nicht zu überhörenden Kuhglocken die Anhänger der beiden Teams, die jeden gelungenen Treffer ihrer Wettkämpfer euphorisch feierten. Diese überschäumende Freude wechselte ab mit leichtem Raunen bei einem Patzer oder angespannter Stille, wenn in der spannungsgeladenen Atmosphäre ein absoluter Zentrumstreffer zum Sieg noch notwendig war. So eine Situation hatten Zuschauer und Wettkämpfer im Schwalm-Eder-Kreis noch nicht erlebt. „Wir wollten einmal raus aus der Enge des Schützenhauses und unseren Sport der Öffentlichkeit vorstellen“, erläuterte Vorsitzender Uwe Ebert die Beweggründe für die Wettkampfverlagerung. Dem Verein ist das gelungen, was Hallensprecher Frank Käufler angekündigt hatte: „Die Faszination Schießsport hautnah im Wettkampf erleben – dicht am Schützen.“ Möglich wurde dies durch den Einsatz einer bundesligatauglichen elektronischen Scheibenauswerteeinrichtung mit Sofortanzeige auf Monitoren und Großbildleinwänden. Durch den Service konnten die Zuschauer das Wettkampfgeschehen immer aktuell verfolgen. Damit war auch für Spannung bis zum letzten Treffer gesorgt. „Das hat mir gefallen“, zog der Baunataler Dieter Weber eine erste Wettkampfbilanz trotz seiner Niederlage gegen Carolin Heintzemann vom Gastgeberteam Römersberg. Die hatte den Baunataler Oldie im Endspurt noch um zwei Zähler überflügelt. Unbeeindruckt vom Jubel und der Musik in der Halle war der Römersberger Andre Hempler. Eingetunnelt spulte der 23-Jährige seinen Wettkampf wie ein Uhrwerk ab. „Ich habe mich voll auf jeden Treffer konzentriert und nicht einmal auf die Anzeigetafel geschaut“, sagte Hempler, der sein Einzel fast teilnahmslos beendet hatte. Erst die Betreuer mussten ihn darüber aufklären, dass er den Wettkampf gegen den Baunataler Meik Horn mit zwei Zählern Vorsprung gewonnen hatte. Doch nicht alle Athleten an der Zehn-Meter-Linie verkrafteten die Umstellung problemlos. Für den Römersberger Henrik Hoenen war die Begegnung vor Publikum eine neue Erfahrung. Hinter seinem Leistungsniveau blieb auch sein Teamkamerad Kai Haldorn zurück. Er war über die Taktik seines Baunataler Gegners Martin Patalong gestolpert. Der hatte im Eilzugtempo ein Ergebnis vorgelegt, an das Haldorn in der Verfolgung nicht mehr heran kam. Römersberg verlor die Oberligabegegnung gen Baunatal durch die Niederlage im Mannschaftsvergleich (1505:1526) mit 2:3. Beeindruckt von der Wettkampfatmosphäre und dem Ablauf war Baunatals Teamchef Reinhard Herz: „Das war super, das sollte man öfter machen.“ Respekt zollte Kreisschützenmeister Wolfgang Ecke dem Ausrichter: „Einfach toll, was Römersberg hier aufgezogen hat.“ Auch das finanzielle Risiko müsse man bedenken. Für den Römersberger Sportleiter Andreas Koch war der Ligatag eine gelungene Veranstaltung, mit der die Arbeit der vielen Helfer belohnt wurde. Zu den Besuchern in Borken gehörten Hessens Landesschützenkönig Oliver Schmidt (Homberg/Ohm), den Hallensprecher Frank Käufler vorstellte, und der ehemalige Gauschützenmeister Fritz Lock (Odershausen bei Bad Wildungen).  Den Vorkampf – eine Begegnung der Luftgewehr-Gauliga Schwalm-Knüll – verlor das Gastgeberteam Römersberg II gegen Spitzenreiter Meckbach ebenfalls mit 2:3.

Fotos vom Ligatag in Borken finden Sie unter Aktuelles

Hintergrund: SV Römersberg

Der SV Römersberg ist ein Verein mit Ideen und Mut. Er wurde 1965 gegründet und hat heute 130 Mitglieder, der Ortsteil Römersberg in der Gemeinde Neuental selbst nur 300 Einwohner. Die Mitglieder des SV Römersberg sind aktiv in drei Luftgewehrmannschaften und jeweils einem Team in den Klassen Junioren und Damen, Alt- und Senioren-Auflage, Luftpistole, Sportpistole und Sportgewehr. Die erste Luftgewehrmannschaft ist zu Saisonbeginn in der Oberliga Nord aufgestiegen, das zweite Luftgewehrteam in die Gauliga Schwalm-Knüll. Erfolgreichster Schütze des Vereins ist der mehrfache Deutsche Meister Patrick Seyfarth, die der Ligawettkämpfe aber für die SG Mengshausen in der Luftgewehr-Hessenliga bestreitet. Durch Patrick Seyfarth und die Nationalkaderschützen Henri Junghänel und Julian Justus ist Römersberg auch deutscher Rekordhalter seit 2007 in der olympischen Disziplin Freigewehr-Dreistellung der Juniorenteams. Seit der Gründung hat sich der SV Römersberg in der Jugendarbeit mit großem Erfolg engagiert.

Text und Fotos: Herbert Vöckel